Swissbau 2022: Ganzheitlich Bauen für die Zukunft mit dem SNBS

Wer den Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz (SNBS) nutzt, baut nach allen Dimensionen der Nachhaltigkeit. Was bedeutet dies konkret? Wie werden gesellschaftliche, wirtschaftliche sowie ökologische Aspekte berücksichtigt? Anhand der Indikatoren «Partizipation», «Lebenszykluskosten» sowie «Flora & Fauna» erklärten drei Fachleute den ganzheitlichen Ansatz des SNBS Hochbau.

Zu Beginn der Veranstaltung ordnete Moderator Christian Stünzi den SNBS in die Labelfamilie Schweiz ein. Der Leiter SNBS-Zertifizierungsorganisation zeigte, wie der Standard die Nachhaltigkeit rund um ein Gebäude umfassend berücksichtigt – inklusive Aspekten wie der Mobilität oder Flora und Fauna. Stünzi erklärte zudem, wie die Indikatoren und die Zertifizierung nach SNBS funktionieren.

Partizipation ermöglichen
Als erste Referentin stellte Katharina Lenggenhager von «schulraumentwicklung.ch» einen gesellschaftlichen Indikator vor: die Partizipation. Sie sei ein «weicher Indikator» und daher vielleicht weniger bekannt, was zu Unsicherheiten im Umgang führen könnte, sagte Lenggenhager. Ziele einer Partizipation sind ihr zufolge vor allem Information und Mitwirkung. Um dies zu erreichen, stehen viele verschiedene Methoden bereit: «Von Referaten über Besichtigungen bis hin zu Workshops oder begleitenden Prozessen ermöglichen unterschiedliche Ansätze die Partizipation von Interessengruppen.» Wichtig sei, dass man früh beginne, die Anliegen dieser Gruppen abzuholen.

Als Beispiel einer gelungenen Partizipation präsentierte Lenggenhager das Projekt «Schulhaus Dorf» in Luzern-Littau. Bei der Planung der Sanierung und Erweiterung des Schulhauses bezog man die Schülerschaft, Mitarbeitende sowie die Einwohnenden des Stadtteils ein. Einige Resultate aus den Workshops flossen schliesslich in die Wettbewerbsvorgaben ein. «Wichtig war, dass wir den Partizipierenden aufzeigten, was möglich war und was nicht», meinte Lenggenhager abschliessend.

Lebenszykluskosten beachten
Im zweiten Referat stand ein wirtschaftlicher Indikator im Fokus. Athavan Akkan, Consultant bei Intep Integrale Planung, erläuterte den SNBS-Indikator 201.1 «Lebenszykluskosten». Ziel des Indikators sei ökonomische Nachhaltigkeit, indem man den Nutzen maximiere und die Kosten minimiere, so Akkan. Auch bei diesem Aspekt gelte: Je früher im Projekt man ihn einbeziehe, desto mehr Einflussmöglichkeiten bestünden.

Akkan zeigte, dass die Nutzung einer Immobilie mit 85 Prozent den mit Abstand grössten Anteil an den Lebenszykluskosten ausmacht. Letztere setzen sich aus unterschiedlichen Faktoren zusammen: «Architektur und Geometrie beispielsweise, aber auch die Materialwahl, der Nutzungsgrad oder die Kapitalkosten.» Um die Lebenszykluskosten zu ermitteln, wird gemäss Akkan vor allem ein Instrument der International Facility Management Association genutzt, das sogenannte IFMA-Tool. «Es ermöglicht Variantenvergleiche und dient auch als Messgrösse für den Indikator 201.1», erläuterte der Referent.

Flora und Fauna fördern
Mit dem Indikator 306.1 «Flora und Fauna» stellte SNBS-Fachexpertin Veronika Sutter einen Aspekt der ökologischen Dimension der Nachhaltigkeit ins Zentrum ihres Referats. «Der Klimawandel bringt viele Herausforderungen, etwa punkto Hitze, Biodiversität und Lebensräumen», sagte sie. Insgesamt brauche es mehr Grün und Blau statt Grau – also zum Beispiel mehr Bäume statt mehr Klimaanlagen. Das Grün sollte aber auch einen Mehrwert für die Biodiversität bieten, grosse Rasenflächen sind Sutter zufolge also nicht die optimale Lösung.

Als zentrales Thema des SNBS-Indikators 306.1 identifizierte die Referentin zum Beispiel das Schaffen von Lebensräumen und Vielfalt, etwa durch Sand, Kies und Totholz auf Dächern und in der Umgebung. Wichtig seien auch der Gehölzbestand und das Auflösen von Barrieren und Hindernissen für Kleintiere wie Igel. Grüne Massnahmen brächten zudem Vorteile für die Hitzeminderung und eine bessere Aufenthaltsqualität. Sutter abschliessend: «Grün ist nicht alles, aber ohne Grün ist alles nichts.»

Präsentationen

Präsentation Katharina Lenggenhager, Architektin und Geschäftsführerin, schulraumentwicklung.ch

Präsentation Veronika Sutter, SNBS Fachexpertin Flora und Fauna

Präsentation Athavan Akkan, Consultant Immobilien- und Facilitymanagement, Intep Integrale Planung GmbH

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Eckdaten

Datum

06.05.2022

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