Schweizer Bau- und Immobilienforum: Nachhaltiges Bauen – Nachhaltige Immobilien

Unter dem Leitmotiv «Suffizienz – Wie aus weniger mehr wird» trafen sich am 12. November 2025 über 110 Fachpersonen aus Bau- und Immobilienwirtschaft an der Hochschule Luzern in Rotkreuz. Im Zentrum standen Fragen rund um die suffiziente Architektur, die effiziente Gebäudenutzung und die ökonomischen Rahmenbedingungen. Rasch zeigte sich: Suffizienz bedeutet nicht Verzicht, sondern eine ehrliche Auseinandersetzung mit der Frage, was wir wirklich brauchen.

Suffizienz als Leitplanke für ein ressourcenschonendes Bauen

Suffizienz sucht nach dem richtigen Mass – auch im Bausektor. Sie fordert dazu auf, Land, Energie und Materialien nur dort einzusetzen, wo sie wirklich notwendig sind. Als zentrale Hebel gelten unter anderem die Sanierung bestehender Gebäude anstelle von Neubauten, die Nutzung gut erschlossener Standorte sowie ein sparsamer Umgang mit Fläche.

Nico Müller (Wüest Partner AG) präsentierte konkrete Ansatzpunkte, wie mehr Wohnraum auf weniger Fläche geschaffen werden kann. Dazu gehören gemeinschaftliche Wohnformen, insbesondere für ältere Menschen, die oft in zu grossen Wohnungen leben, die Umnutzung leerstehender Büroflächen sowie Verdichtungsmöglichkeiten durch Aufzonungen. Marco Salvi (Avenir Suisse) wies zudem darauf hin, dass die steigende Zahl von Ein-Personen-Haushalten – in Zürich inzwischen 46 Prozent – den Wohnraumbedarf entscheidend prägt. Neue Anreize könnten helfen, den Umzug in kleinere Wohnungen attraktiver zu machen, wenn die alte Wohnsituation nicht mehr zum Bedarf passt.

Kreisläufe denken – Natur einbeziehen

Wie zirkuläres Bauen in der Praxis aussehen kann, zeigte Christine Steiner Bächi (KOS PartnerInnen GmbH) anhand der Zürcher Überbauung nordnordost.

Die Idee ist, künftig das Abwasser direkt vor Ort aufzubereiten und im Gebäude wiederzuverwenden – sei es für WC-Spülungen oder zur Bewässerung von Feldern, deren Produktion über das Gemüse-Abo wieder auf dem Tisch der Genossenschafterinnen und Genossenschafter landet.

Dass suffizientes Bauen nicht nur ökologische, sondern auch gesundheitliche Vorteile bringen kann, erläuterte Daniel Tschudy (Velux Schweiz AG). Luftqualität und Tageslicht seien für das Wohlbefinden oft wichtiger als zusätzliche Wohnfläche. Mehr Fenster und grössere Raumhöhen könnten viel erreichen – ganz ohne energieintensive Gebäudetechnik.

Effizienz als Weg zur Suffizienz

Am Beispiel des Flughafens Zürich zeigte Andres Stierli, wie sich Effizienzgewinne zu mehr Suffizienz addieren. Dazu gehören eine optimierte Flächennutzung und der bedarfsgerechte Betrieb technischer Anlagen. Der Neubau des Docks A, der ab 2030 weitgehend aus Holz bestehen und umfangreich mit Photovoltaik ausgestattet sein wird, soll einen Grossteil seines Strombedarfs selbst decken.

Architektur als Antwort auf gesellschaftliche Herausforderungen

Gion A. Caminada, emeritierter ETH-Professor, plädierte dafür, den aktuellen Herausforderungen mit architektonischen Mitteln zu begegnen. Suffizienz bedeute, verborgene Potenziale zu erkennen. Er illustrierte dies mit Projekten wie der Siedlung Burggarta in Valendas, wo unterschiedliche Raumtemperaturen – durch passive und aktive Wärmequellen – nicht nur Energie sparen, sondern auch die Beziehung der Bewohnenden zu Jahreszeiten und Natur stärken.

Blick nach vorn

Die Diskussionen machten deutlich, dass Suffizienz im Bauwesen noch grosses Entwicklungspotenzial birgt. Das rege Interesse am Forum zeigt jedoch, dass viele Fachleute bereit sind, neue Wege zu erkunden und mutige Lösungen auszuprobieren.

Das Schweizer Bau- und Immobilienforum wird gemeinsam vom Institut für Gebäudetechnik und Energie (IGE) und dem Institut für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ) der Hochschule Luzern sowie dem Netzwerk Nachhaltiges Bauen Schweiz (NNBS) organisiert. Der nächste Anlass findet am 11. November 2026 statt.

Bilder, Präsentationen und Poster zur Veranstaltung finden Sie unter: hslu.ch/bauforum


Kontakt für Medien
Hochschule Luzern – Technik & Architektur, Institut für Gebäudetechnik und Energie IGE
Prof. Urs-Peter Menti, Co-Institutsleiter
urs-peter.menti@hslu.ch

Bau und Immobilienforum 2025 (Bild: Daniel Dyntar Photography)

News verpasst?

Verpassen Sie keine Neuigkeiten mehr. Abonnieren Sie unseren Newsletter und erhalten Sie regelmässige Updates und Informationen rund um das Nachhaltige Bauen direkt in Ihr Postfach.

Träger

Datenschutz | Impressum

Cookie Info

Diese Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu gewährleisten. Weitere Informationen entnehmen Sie unserer Datenschutzerklärung.